Eine Hand hält ein Smartphone. Darauf ist ein Ausschnitt der Mulitmediaguide mit Tour in Deutscher Gebärdensprache durch die Schausammlung "Wahre Schätze - Antike" zu sehen.

Im Fokus

Inklusion am LMW

Eine lernende Institution

Das LMW besuchen jährlich ca. eine Million Besucher*innen vor Ort und digital: Für Ausstellungen und Veranstaltungen im Alten und Jungen Schloss, die digitalen Sammlungsbestände, die App oder andere Vermittlungsformate. Darüber, wen wir erreichen, und vor allem, wen wir noch nicht erreichen, wissen wir derzeit noch nicht genug. Daher verstehen wir uns als lernende Institution und setzen uns dafür ein, Menschen zu erreichen, die uns bisher noch nicht besuchen, z. B. aufgrund von unterschiedlichen Barrieren.

Als öffentliche Institution sind wir gesetzlich dazu verpflichtet, Teilhabe, Inklusion und Barrierefreiheit umzusetzen, unter anderem nach dem Teilhabegesetz, dem Landesbehindertengleichstellungsgesetz sowie der UN-Behindertenrechtskonvention, in der möglichst selbstbestimmte Museumsbesuche für Menschen mit Behinderungen gefordert werden. Gleichzeitig verstehen wir die Schaffung neuer Zugänge zu unseren Sammlungen, Ausstellungen und Programmen als Kernauftrag unserer Arbeit.

Ermöglicht durch die Gesellschaft zur Förderung des Landesmuseums Württemberg e.V., bietet das LMW seit über 40 Jahren kostenlose inklusive Führungen an. Zudem wurden in den vergangenen Jahren inklusive Ausstellungen und Formate mit Menschen mit Behinderungen und Expert*innen in eigener Sache gemeinsam entwickelt und umgesetzt, ganz nach dem Motto „Nichts über uns ohne uns”. Seit 2022 gibt es im LMW außerdem eine Stabsstelle für kulturelle Teilhabe, die den Auftrag hat, Öffnung, Teilhabe und Inklusion auch strukturell voranzubringen.

Im Folgenden stellen wir Ihnen zwei Projekte aus dem Jahr 2024 vor, bei denen Inklusion eine besondere Rolle gespielt hat.

Eiszeitkunst mehrsinnig erfahren in der Ausstellung „Urformen – Eiszeitkunst zum Anfassen“

Eiszeitkunst mit mehreren Sinnen erfahrbar machen, das war der Ausgangspunkt für die Ausstellung „Urformen – Eiszeitkunst zum Anfassen“. Besonders sehbeeinträchtigten oder blinden Besucher*innen wollten wir die kleinen Figuren aus Mammutelfenbein von der Schwäbischen Alb über taktile und vergrößerte Kopien zugänglich machen. Daher wurde von Anfang an sehr eng mit einer Gruppe von Expert*innen aus linden und sehbeeinträchtigten Menschen zusammengearbeitet.

Gemeinsam haben wir ein Leitsystem aus kontrastreichen Bodenleisten entwickelt, das einen durchgehenden Rundgang mit dem Langstock und ohne Begleitung ermöglichte. Hierzu diente auch eine Führung mit Audiodeskription in der LMW-App. Die mit Braille- und Pyramidenschrift versehenen Ausstellungstische wurden durch Riech-, Hörstationen ergänzt. Die Ausstellung wurde zwar besonders für die Bedürfnisse von blinden und sehbeeinträchtigten Menschen entwickelt. Letztlich, so unsere Erfahrung, ist damit ein Mehrwert für alle Besucher*innen entstanden.

Taststation mit vergrößerter Mammutfigur und Stück eines Mammutstoßzahns
LMW, J. Leliveldt, A. Lohmann (InC)

Magie für alle in der Mitmachausstellung „Die Kleine Hexe“

Die Mitmachausstellung „Die Kleine Hexe“ wurde inklusiv geplant und umgesetzt. Die Magie der Ausstellung sollte allen zugänglich sein. Dabei unterstützte uns ein Kinderbeirat, bestehend aus Schüler*innen der Betty-Hirsch-Schule 2, einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) mit dem Förderschwerpunkt Sehen.

Das Ergebnis: Die vielen Mitmachstationen waren immer über mehrere Sinne erfahrbar. Die Kinder lösten mit Zauberstäben audiovisuelle Effekte aus. Sie konnten „Hexenkräuter“ riechen und deren Braille-Beschriftung anhand eines Alphabets übersetzen. Ein Sinnespfad brachte besondere Körpererfahrungen, und auf dem Markt gab es allerlei zu fühlen, zu riechen und zu bespielen.

Eine taktile Bodenleitlinie bot für alle Orientierung. Zu jedem Bereich gab es Videos in Deutscher Gebärdensprache und Audiobeschreibungen. Auf inhaltliche und bauliche Barrierefreiheit wurde stets geachtet. Insgesamt ergab sich so ein vielfältiges Ausstellungserlebnis für alle Besucher*innen.

 

Kinder schauen Videos in Deutscher Gebärdensprache und fühlen Braille-Schrift.
LMW, G. Koelmel (InC)

Wir arbeiten kontinuierlich an einer dauerhaften Verankerung inklusiver und teilhabeorientierter Angebote im LMW, um uns nachhaltig zu öffnen und Museum und Raum für die diverse Gesellschaft zu sein. Dazu gehören beispielsweise laufende Sensibilisierungsangebote und Schulungen für Mitarbeitende sowie unterschiedliche machtsensible Kooperationen, etwa mit und für queere Menschen, Menschen mit Demenz sowie Kinder und Jugendliche und deren Familien.

Wir freuen uns darauf, in den kommenden Tätigkeitsberichten weiterhin von unserer Arbeit zu berichten.

Autor*innen: Elfi Carle, Fabian Haack, Marc Kähler und Ida Schneider

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