Im Fokus

500 Jahre Bauernkrieg

Das LMW geht neue Wege

Die Große Landesausstellung „500 Jahre Bauernkrieg“ war für das Landesmuseum Württemberg in vielerlei Hinsicht ein Novum. Mit fünf Teilprojekten an verschiedenen Standorten sowie im analogen und digitalen Raum beschritt das Museum neue Wege. Es entwickelte innovative Ansätze und erprobte sie in der Praxis: in der internen und externen Zusammenarbeit, der Konzeption neuer Formate und Vermittlungsangebote sowie beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Im Folgenden erfahren Sie, wie die fünf Teilprojekte zum Bauernkrieg das Museum als lernende Organisation weitergebracht haben.

Interaktive Vermittlung bei „PROTEST!“

Neue Ansätze in der Ausstellung „PROTEST! Von der Wut zur Bewegung“: Mit ihrem Fokus auf eine interaktive Vermittlung machte die Ausstellung die Welt des Protests auf besondere Weise erfahrbar. Sie lud dazu ein, mitzudiskutieren und eigene Antworten auf die Frage zu entwickeln: Wie wollen wir in Zukunft leben?

Damit erreichte „PROTEST!“ auch neue und jüngere Zielgruppen: 39 % der rund 9.800 Besucher*innen kamen für die Ausstellung erstmals ins LMW. 42 % der Besuchenden waren unter 40 Jahre alt.

Auch bei Schulen stießen die Angebote auf große Resonanz: 84 Schulgruppen mit insgesamt 1.459 Schüler*innen besuchten „PROTEST!“. Im Rahmen der Kulturvermittlung kam zudem das „Wimmelbild“ zu Protestthemen als Unterrichtsmaterial zum Einsatz. Eine Sensory-Map und eine Tour in Deutscher Gebärdensprache im Multimediaguide ergänzten die Ausstellung um inklusive Angebote.

 

Autorin: Maaike van Rijn

LMW, D. Hughes (InC)

Storytelling mit historischen Persönlichkeiten

Die Umbruchszeit des frühen 16. Jahrhunderts und die Dramatik des Bauernkriegs für das Publikum verständlich und nahbar zu machen, war ein Leitgedanke der kulturhistorischen Ausstellung „UFFRUR! Utopie und Widerstand im Bauernkrieg 1524/25“. Dafür ging das LMW neue Wege: Filmische Auftritte von acht Protagonist*innen des Konfliktes bildeten ein zentrales Element. Eingebettet in den Ausstellungsparcours eröffneten die Figuren – von der leibeigenen Bäuerin über den Künstler bis zum adeligen Militärunternehmer – persönliche Einblicke in ihre Gedanken, Handlungen und Gefühle.

Für das visuelle Erscheinungsbild der Figuren nutzte das LMW gemeinsam mit den Gestalter*innen die Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz (KI). Dabei ging es nicht um historische Authentizität, sondern um die Entwicklung von Kunstfiguren, die den Charakter der jeweiligen Person in einer zeitgemäßen Ästhetik erfahrbar machten. Die zugrunde liegenden Texte verfasste das Ausstellungsteam, professionelle Sprecher*innen liehen den Figuren ihre Stimmen.

 

Autorin: Ingrid-Sibylle Hoffmann

 

Eine Person schaut auf den KI-Avatar von Magdalena Scherer.
LMW, J. Leliveldt, M. Damian (InC)
Kinder probieren eine interaktive Station in der Ausstellung "ZOFF!" aus.
LMW, B. Kammerer (InC)

„ZOFF!“ – oder wie wir richtig streiten

Mit „ZOFF!“, der Mitmachausstellung für Kinder und Familien, bereitete das Junge Schloss ein gesellschaftlich relevantes Thema für ein junges Publikum auf. Kinder konnten die individuellen und gesellschaftlichen Herausforderungen des Zusammenlebens spielerisch erkunden und sich mit Fragen rund um Streit, Konflikte und deren Lösungen auseinandersetzen.

Wie bei den vorherigen Ausstellungen des Jungen Schlosses wurde auch diesmal ein Kinderbeirat in die Konzeption eingebunden. Schüler*innen des Galileo Bildungshauses in Stuttgart und des Stuttgarter Betty-Hirsch-Schulzentrums testeten im Vorfeld einzelne Stationen auf ihre Funktionalität und nahmen die Ausstellung hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit unter die Lupe.

Die kindgerechte Aufarbeitung des Themas wurde von den Besuchenden sehr gut aufgenommen. Neben Familien kamen zahlreiche Kita- und Grundschulgruppen zu „ZOFF!“. Für sie bot die Ausstellung vielfältige Anknüpfungspunkte an Themen aus dem Unterricht und Betreuungsalltag.

 

Autor: Christoph Fricker

Experimentelle Vermittlung auf Instagram

Mit dem Instagram-Projekt „LAUTseit1525“ erprobte das Landesmuseum neue Formen digitaler Kulturvermittlung. Historische Forschung, Storytelling, Community-Arbeit und der Einsatz Künstlicher Intelligenz wurden zu einem experimentellen Vermittlungsformat verbunden. Über den Wissenskanal @lautseit1525 und den Storytelling-Kanal @magda_lautseit1525 entstanden zwischen September 2024 und Oktober 2025 insgesamt 239 Beiträge, die über 2.67 Millionen Accounts erreichten, 8.899 Follower generierten und mit über 77.000 Likes bewertet wurden.

Ein multiperspektivischer Ansatz sowie Kooperationen mit Museen, Archiven und Geschichtscommunitys machten Geschichte als gemeinschaftlichen Aushandlungsprozess erfahrbar. KI-generierte Bilder dienten als Ausgangspunkt für Diskussionen über historische Evidenz, zeitgenössische Bildproduktion und Imagination. Das Projekt zeigte, wie Museen historische Forschung, digitale Technologien und partizipative Vermittlung zeitgemäß miteinander verbinden können.

 

Autor*innen: Christian Gries & Vivien Schiefer-Friess

KI-Bild im Comicstil von Magda Scherer
LMW, KI-generiert mit Midjourney, KI-Bild 2024 (Public Domain Mark 1.0)

Unterwegs auf neuen Wegen im Ländle

Mit dem Theater- und Musikspektakel „UFFRUR! … on the road“ erprobte das LMW neue Formen der Partizipation und Vermittlung. 16 Orte waren an der Entwicklung des Formats beteiligt. Die Gesamtorganisation und Produktion übernahm das LMW gemeinsam mit dem „Kapuziner Kreativzentrum“ in Ravensburg. Unter der künstlerischen Leitung des britischen Choreografen und Regisseurs Martin Butler entstand ein außergewöhnliches Format, das Vereinsleben und lokale Beteiligung mit Theater, Musik und Performance sowie sinnlichen Erfahrungen von Bühnenbild bis Kulinarik verband.

Vom Bodensee bis nach Franken beteiligten sich rund 15.000 Menschen an dem Angebot. Im Mittelpunkt standen kleinere Orte, die einst Schauplätze des Bauernkriegs waren, und vor allem die Menschen, die dort leben und das Projekt aktiv mitgestalteten. So wurde die Geschichte des Bauernkriegs unmittelbar vor Ort und über ganz Baden-Württemberg hinweg erlebbar. Es leistete einen Beitrag zur kulturellen Teilhabe und stärkte den gesellschaftlichen Zusammenhalt in ländlichen Räumen.

 

Autor*innen: Miriam Hertfelder & Jan Warnecke 

 

Block auf den Aufbau des Theaterspektakels in Rottenberg ob der Tauber.
LMW, M. Hertfelder (InC)
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