15.5. – 15.6.2025

POP-UP-MUSEUM: KERNgeschichten

Ausstellung in der Alten Kelter in Gemmrigheim

Wie veränderte die Abschaltung des letzten deutschen Kernkraftwerks die Region am Mittleren Neckar? Mit dem POP-UP-MUSEUM griff das Museum der Alltagskultur – Schloss Waldenbuch diese Frage direkt vor Ort auf. Es sammelte unterschiedliche Perspektiven aus der Region und präsentierte sie an einem ungewöhnlichen Ort: in der Alten Kelter in Gemmrigheim.

703 Besuchende vor Ort
Ausstellungsgestaltung und -grafik: Ina Bauer Studio

Fast 50 Jahre prägte das Kernkraftwerk Neckarwestheim die Region mittlerer Neckar. Nach der Abschaltung des letzten Reaktors 2023 fragte das POP-UP-MUSEUM „KERNgeschichten“, was das für die Menschen vor Ort bedeutete: Welche Erinnerungen verbinden sie mit dem Kraftwerk? Wie hat es ihren Alltag geprägt? Und mit welchen Hoffnungen und Sorgen blicken sie in die Zukunft?

Grundlage des POP-UP-MUSEUMS waren Forschungen der Landesstelle für Alltagskultur (LAk) und des Ludwig-Uhland-Instituts der Universität Tübingen. Es wurde im Verbund „KulturWissen vernetzt“ mit Partnern aus Stuttgart, Tübingen, Freiburg und Staufen umgesetzt und von der VolkswagenStiftung gefördert.

Das partizipative Projekt bezog die Menschen vor Ort ein und umfasste alle Museumsaufgaben – von der Sammlung und Forschung über die Ausstellungsgestaltung bis zu Vermittlungsformaten. Vor-Ort-Termine und Marktstände, Workshops, Erzählcafés, Spaziergänge, Kanutouren und zahlreiche Gespräche brachten unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen zusammen. Mehr als 40 dieser Perspektiven standen in der Ausstellung gleichberechtigt nebeneinander.

 

Schwarz-weißes Ausstellungsplakat. Im Zentrum eine illustrative Gestaltung eines Kühlturms mit Wolke.
LMW, Ina Bauer Kommunikationsdesign (CC BY 4.0)

Ein Beispiel für die unterschiedlichen Perspektiven auf das Kernkraftwerk ist das Kunstwerk „Solange es schläft“ (2014) von Lisa Nollenberger: Nahe der Kirchheimer Weinterrassen liegt ein „schlafender Riese“ in der Landschaft und versperrt den Blick auf das Kernkraftwerk am gegenüberliegenden Ufer. Mit ihrer Arbeit richtet die Künstlerin den Blick auf die langfristigen Folgen der Kernenergie und mahnt zur Verantwortung gegenüber kommenden Generationen. Das Kunstwerk gehört der Gemeinde Kirchheim am Neckar und ist bei den Kirchheimer Weinterrassen öffentlich zugänglich.

 

Aus dem Verbundprojekt gingen unter anderem eine digitale Objektsammlung des Landesmuseums Württemberg, Publikationen, ein digitaler Rundgang und mobiles Ausstellungsmobiliar hervor. Zudem wurden alle gesammelten Materialien für die Langzeitnutzung im Archiv der LAk und im Landesmuseum aufbereitet.

Die Ergebnisse wirkten auch über das Projekt hinaus: Sie flossen in die Ausstellung und die Sammlungswerkstatt „Nuklearer Alltag“ im Museum der Alltagskultur ein, die noch bis 2027 zu sehen ist.

LMW, H. Fauter (InC)

Autor*innen: Alexander Schwanebeck & Sabine Zinn-Thomas

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